Endet die Glanzzeit von MySQL?

Ein auf Open Source spezialisierter deutscher Freelance-Journalist, Ludger Schmitz, hat in einem Blog-Eintrag auf Enterprise CIO Forum von IDG Deutschland seine tiefe Enttäuschung über Oracle und dessen Behandlung von MySQL zum Ausdruck gebracht. Anlass waren die Ergebnisse einer Anwenderbefragung (hier und hier), welche Matthew Aslett von der Abteilung Commercial Adoption of Open Source (CAOS) beim Marktanalysten The 451 Group vorgestellt hat. Demnach wird das MySQL-Business zwar zunächst weiter zulegen, aber gleichzeitig werden relativ immer weniger heutige Benutzer diese Open-Source-Datenbank verwenden: bis 2017 ein Minus von 25 Prozent. Die Gewinner wären Alternativen wie PostgreSQL und MariaDB, vor allem aber No-SQL-Datenbanken.

So sehr ich verstehe, dass es „richtig weh tut“ (Schmitz), was mit diesem Herzstück von LAMP geschieht: Hat jemand irgendetwas anderes erwartet? Oracle kann einfach kein Interesse daran haben, MySQL aggressiv weiter zu entwickeln. Gelegentlich ein neues Release, um die übelsten Bugs aus dem Weg zu räumen. Ein Support-Angebot, das nicht unbedingt preisgünstig ist. Das muss reichen. Wirklich weiterentwickeln wird Oracle die Open-Source-Datenbank nicht. Denn letztlich würden sie dabei womöglich das Kern-Business mit der hauseigenen proprietären Datenbank beschädigen. Oracle sind die Interessen der Aktionäre wichtiger als die der MySQL-Anwender.

Deswegen wird auch nichts werden aus dem Wunsch des Journalisten Schmitz, Oracle möge MySQL der Apache Software Foundation übergeben. Er schreibt selbst, dass OpenOffice (zuvor auch bei Oracle) dort jetzt ein Revival erlebt. An einem Revival von MySQL kann Oracle jedoch nicht gelegen sein. Das proprietäre Kern-Business käme in Gefahr. Dahingegen ist ein langsames Dahinsiechen von MySQL durchaus im Sinne von Oracle.

Natürlich merken die Anwender, was in Sachen MySQL alles – vor allem nicht – passiert. Aber ist das wirklich so schlimm? Früher gab es diese kleine Firma MySQL AB, auf deren Existenz- und Leistungsfähigkeit man sich verlassen musste. Die einzige Sicherheit war die General Public License, unter der MySQL immer stand. Genau diese GPL ist auch heute die beste Verteidigung der Anwender. Denn sie machte den Fork MariaDB möglich. Diese Open-Source-Datenbank entwickelt Monty Program technisch im Interesse der Anwender weiter. Und auf der kommerziellen Seite gibt es mit SkySQL einen kompetenten Dienstleister für Vertrieb und Support.

Es gibt keinen Grund, sich wirklich größere Sorgen wegen Oracle's MySQL-Politik zu machen. Matthew Aslett schreibt: „The MySQL ecosystem is now arguably more healthy and vibrant than it has ever been.“ Das ist es vor allem, weil MySQL zwar im Besitz von Oracle, aber kein Monopol ist. Dank GPL gibt es die kompatible Alternative MariaDB. Deren Entwicklung ist der einstigen Mutter inzwischen vorausgeschritten.

Dabei hat MariaDB zuletzt einige Verbesserungen erfahren, die der aufkommenden Konkurrenz aus der NoSQL-Ecke ein paar Vorteile nehmen. Aslett sieht in diesem Datenbanktyp den größten Herausforderer für MySQL. Da unterliegt der Marktanalyst wohl zum Teil einem Hype. NoSQL ist und bleibt etwas für Nischen, in denen sich SQL-Datenbanken schwer tun. Die große Masse der Anwendungen arbeitet mit den standardisierten und oft schnelleren tabellarischen Informationssilos besser. MySQL mag seine bisher dominante Marktposition etwas schwinden sehen. Die Anwender werden nichts einbüßen.

Kaj Arnö, Executive Vice President Products, SkySQL

 

About the Author

One of the company founders, Kaj Arnö joined SkySQL Ab from the start in October 2010, as EVP Products. Today, Kaj focuses on cooperation in his role as VP Collaboration. He designed most of his MySQL databases during the last century, and is now curing his programming abstinence by coding the odd Python routine. His other interests include physical exercise and experiencing the world with his own muscle power, as well as the societal implications of IT – no doubt an occupational disease caught during his years as VP Community Relations at MySQL AB and Sun Microsystems.